Chronik

Die Musik der Spielleute – kein Fest ist ohne sie denkbar. Über Jahrhunderte verschmäht, missachtet, hochgelobt, politisch missbraucht, missverstanden und von der Wissenschaft verschwiegen, sie lebt in alter Frische wie eh und je ! Spielleute gibt es seit rund tausend Jahren in dem Sinne und Zweck, dem sie heute noch dienen. Schauen wir doch einmal zurück auf die lange Geschichte von „Gut Schlag“. Diese Chronik will aus den vorhandenen Unterlagen ein möglichst lückenloses Bild der Vergangenheit zeichnen, den „Alten“ zur Erinnerung und den „Neuen“ zur Information. Zusammengestellt wurde diese Chronik von Dieter Kruse.

Im Schützenhaus , Friedrichstr. Ecke St.Antonstr., traf man sich sonntags gerne zum Frühschoppen. Im Laufe der Zeit hatte sich ein Stammtisch gebildet, an dem auch ehemalige Soldaten der Armee des Kaisers teilnahmen, welche in Trommler und Pfeiffercorps gedient hatten. Es entstand die Idee ein Tambourcorps zu gründen. Der damals 20 jähr. Johann Gunkel übernahm die Initiative und so wurde im Februar 1912 das „ Trommlercorps Gut Schlag“ aus der Taufe gehoben. Zu den Musikern der ersten Stunde zählten auch Fritz Zeissler und Alex Renner. Diese drei gelten als unsere Gründerväter. Der neue Spielmannszug war am Anfang völlig mittellos. Man hatte weder Instrumente noch Uniformen und auch kein Vereinslokal. Das Schützenhaus wurde 1913 abgerissen und es entstand an dieser Stelle das Kaufhaus Tietz. Das einzige was dem Verein blieb und zusammenhielt war die gemeinsame Idee. Da die meisten Spielleute im Südbezirk ansässig waren wurde das Lokal „ Zöhren „ auf der Gladbacherstrasse als neues Vereinslokal erwählt. Als Instrumente für zwölf Spielleute standen sage und schreibe eine Flöte und eine Trommel zur Verfügung. Frau Zöhren lieh dem Verein 600.- Reichsmark wovon alle Instrumente angeschafft wurden. Bedingt durch die späteren Wirren des ersten Weltkrieges kam es zu keiner Rückzahlung des Geldes. Mit „ Gut Schlag“ aber ging es bergauf, der Verein hatte schon eine beachtliche Größe, bis im August 1914 der Krieg ausbrach und alle Reservisten eingezogen wurden. Der Spielbetrieb musste eingestellt werden.

Als man sich wieder bei Zöhren traf, waren zwölf der alten Spiel –kameraden im Felde geblieben. Die überlebenden Spielleute Fritz Zeissler, Alex Renner, Heinrich Simons, Rudolf Naus, Arthur Brötsch und Johann Gunkel beschlossen das Tambourcorps wieder aufleben zu lassen . Uniformen und Instrumente waren erhalten geblieben und so konnte 1919 der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Den heutigen Namen bekam der Verein auf einer Versammlung Anfang der 20er Jahre, als neben Trommeln und Flöten auch Fanfaren angeschafft werden sollten. Allmählich zeichnete sich die Inflation in Deutschland ab, auch „Gut Schlag“ hatte ein Geld. Dirigent „Süper“Wiederum war es Frau Zöhren, die dem Verein Geld für Uniformen und Instrumente zur Verfügung stellte. Diesmal als Schenkung.

Die 20er waren für „Gut Schlag“ überaus erfolgreich. Oft spielte man mit der bekannten Husarenkapelle unter ihrem Dirigenten „Süper“ zusammen. In dieser Zeit gründete sich in Krefeld ein zweites Corps, „Frisch auf“ ,wo u.A. Hans Braun und Franz Stammes spielten und die später ( nach dem Krieg ) auch bei „Gut Schlag“ spielten. In den Nachbargemeinden gründeten sich 1925 das Schützentrommlercorps Oppum und 1927 die Spielfreunde Uerdingen. Zu beiden Vereinen pflegen wir bis zum heutigen Tage enge Freundschaften.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten sollte „Gut Schlag“ in die Technische Nothilfe eintreten. Die Mitglieder aber weigerten sich und so wurde das gesamte Inventar beschlagnahmt. Das Corps stand vor dem Nichts, bis ein spendabler Wirt Geld für neue Uniformen und Instrumente stiftete. Auf einer grossen Maifeier im Stadtwaldhaus wurde dann zum ersten Mal wieder gespielt. Bis Kriegsbeginn 1939 wurde auf Umzügen der Krieger- und Traditionsvereine, Schützen- und Heimatfesten und Rosenmontagszügen gespielt. Man versuchte den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, aber 1941 wurden alle privaten Vereine verboten. Das Vereinslokal befand sich während dieser Zeit bei „Hetzel“ , ( später Bürgerhaus ) auf der Gladbacherstrasse. Während des Krieges ging das gesamte Vereinsinventar verloren.

Man traf sich im Dammhaus auf der Marktstrasse. Zwei Jahre nach dem Krieg musste man erneut von Vorne anfangen, aber man war sich einig, „Gut Schlag“ würde wieder auferstehen. Seit dieser Zeit war auch Emil Pauwelen dabei, der Johann Gunkel`s Tochter Wilma heiratete. Ein Jahr später lief wieder alles so, wie man es sich gedacht hatte. Man hatte Spielleute, Instrumente, und ein Vereinslokal auf der Martinstrasse gegenüber dem alten Friedhof. Mit der tatkräftigen Unterstützung von Hans Braun konnte man wieder auftreten. Neue Uniformen wurden beschafft, welche man nach dem Vogelschiessen in Fischeln zum Schützenfest in Königshof erstmals zeigte.

All dies führte zu einem regen Zulauf interessierter Spielleute. Das Vereinslokal wechselte von der Martinstrasse über die Gaststätte Brinkmann zur Gaststätte Hertsch ( beide Gladbacherstasse ).

Zu dieser Zeit hatte „Gut Schlag“ einen grossen Aufschwung und sehr viele Auftritte. Überall war man dabei. Nachdem der Spielkamerad Georg Schürmann aus der Gefangenschaft heimkehrte und dank der hervorragenden Fanfarenbläsern Emil Pauwelen, Günther Jakobs und Hans Klüners, der seit 1949 dabei war, wurde sich auch wieder intensiver Probenarbeit gewidmet. Georg Schürmann übergab aus gesundheitlichen Gründen den Tambourstab an Hans Klüners, der sein Können bei Werner Zipp, einem ehemaligen Tambourmajor der Luftwaffe, erlernt hatte.

Durch das altersbedingte Ausscheiden vieler Mitglieder ging es bergab. Nach kurzer Zeit bestand der Verein nur noch aus acht Spielleuten. Auf einer Versammlung am 15.9.1952 sollte „Gut Schlag“ aufgelöst werden, aber dank des unermüdlichen Einsatzes von Hans Klüners und Emil Pauwelen wurde der Verein am 1.11.1952 im neuen Vereinslokal Evers in Königshof wieder ins Leben gerufen. 1953 trat Hans Scheuß jun. dem Verein bei.

Langsam ging es wieder bergauf. Ab 1956 probte man gemeinsam mit den Spielfreunden Uerdingen und bestritt auch einige gemeinsame Auftritte. Diese Fusion dauerte allerdings nicht lange, drei Jahre später gingen beide Vereine wieder ihre eigenen Wege. In dieser Zeit traten Manfred Linsen, Heinz Hagens und Dieter Kruse sen. dem Verein bei.

Man bezog ein neues Domizil im Südbahnhof an der Saumstrasse. Nachdem der Vorsitzende Heinz Deutmark verstorben war und sein Nachfolger Hans Scheuß sen. nicht mehr dem Verein angehörte, wurde Leo Klother zum neuen Vorsitzenden gewählt. Helmut Maassen kam zu „Gut Schlag“ kaufte sich eine eigene Lyra und wurde somit zum ersten Lyraspieler des Vereins.

Von nun an befand sich das Vereinslokal im „Bürgerhaus“ auf der Gladbacherstrasse. Die Inhaber Waltraut und Richard Römer erwiesen sich als ideale Vereinswirte. Ein Jahr später verstarb der seit 1965 amtierende Vorsitzende Karl Klein. Auch verstarben die Gründer Johann Gunkel und Alex Renner sowie Heinrich Simons. Als Vorsitzender übernahm Dieter Kruse sen. die Geschicke des Vereins.

Von nun an begann eine neue Ära für „Gut Schlag“. Gemeinsam mit Emil Pauwelen fuhr der neue Vorsitzende Heinz Hagens nach Ratingen, um dort Köbes Zimmermann als neuen Ausbilder für den Verein zu gewinnen. Mit ihm ging es musikalisch steil bergauf, wovon nicht nur das Krefelder Publikum begeistert Notiz nahm. Nacheinander gab es Gastspiele in den Partnerstädten Dünkirchen ( Frankreich ), Leiden und Venlo ( Niederlande ) und Leicester ( England ), 1975 wurde „Gut Schlag“ Stabsspielmannszug der Prinzengarde Krefeld und zum 65 jähr. Jubiläum konnte eine Schallplatte aufgenommen werden, die grossen Anklang fand.

1979 fuhr man gemeinsam mit dem Schützenverein Bockum West nach Finkenstein am Faaker See ( Österreich ) . Die Tour wurde ein voller Erfolg.

Erstmalig wurde der Titel des Ehrenspielmannszugführers an Hans Klüners verliehen, der aus gesundheitlichen Gründen den Tambourstab an Manfred Linsen weitergab.

Dank der Spielleute die Ihre Söhne mit in den Verein brachten, wuchs die Zahl der aktiven Spielleute erstmals auf über dreissig Mann. Neben Köbes Zimmermann ist auch die besondere Ausbildung von Ralf Hagens zu erwähnen, der u.A. dem heutigen musikal. Leiter die Flötentöne beigebracht hat. 1981 wurde erstmals Fasching in Österreich gefeiert. Man spielte bei der grossen Fernsehsitzung der Faschingsgilde Villach auf, die live im ganzen Land übertragen wurde. Seitdem sind wir bei unseren dortigen Freunden immer wieder gern gesehene Gäste. Im selben Jahr gastierte der Verein beim grössten belgischen Oktoberfest in Wieze. Mitten in diese Glanzzeit platzte 1982 die Nachricht vom Tod Köbes Zimmermann herein, der 70 jährig einem Herzinfarkt erlag. Ralf Hagens trat seine Nachfolge an, bis er sein Musikstudium bei der Bundeswehr antrat. 1984 fuhr „Gut Schlag“ gemeinsam mit der „Rheinischen Jägerkapelle“ erneut nach Frankreich um in Vichy zu ungewohnter Zeit ( Anfang Mai ) den dortigen Karneval zu bereichern, was auch gut gelang.

Gut Schlag wird 75.

Beim Festabend im Stadtwaldhaus war das vollbesetzte Haus von den Darbietungen der 35 Spielleute begeistert. Verantwortlich für den herrlichen Abend waren der erste Vorsitzende Werner Waschilowski und Helfer, Schirmherr Bürgermeister Willi Wahl und Willi Schlösser, der gekonnt durchs Programm führte.

Für seine herausragenden Leistungen als Vorsitzender wurde an diesem Abend Heinz Hagens zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Bis zum heutigen Tage steht er uns mit Rat und Tat zur Seite.

Vereinslokal wurde nun die Gaststätte „zum Krater“ auf der Vulkanstrasse. 1989 veranstaltete man am 11.11. erstmals gemeinsam mit der GKG Oraniendorf, dem Krefelder Tanzkorps Grün Weiss Grün und der KG Lustige Klosterbrüder einen närrischen Sessionsauftakt im Stadtwaldhaus, welcher auch in den folgenden Jahren grossen Anklang fand.

Dieter Kruse jun. wird erster Vorsitzender. Zu dieser Zeit zählte „Gut Schlag“ 29 aktive Mitglieder. Erstmals bekam der Verein eine ordentliche Satzung, kurzärmlige Hemden für die heissen Tage wurden angeschafft und nach und nach wurde den Spielleuten das Notenlesen beigebracht. Auf bis zu zehn Schützenfesten wurde pro Jahr gespielt, hinzu kamen wöchentliche Proben, Karnevalsauftritte, Ständchen u.s.w.. Ein anspruchsvolles Hobby für alle Spielmänner, denen dies nur durch die Unterstützung ihrer Frauen gelang, wofür „Gut Schlag“ sehr dankbar ist. Vereinslokal ist in dieser Zeit das Haus Blumenthal mit den Vereinswirten Annemarie und Mario Maggio. Leider verstarben 1991 nach langer Krankheit unser Kamerad Gerd Tekolf und unser Ehrenspielmannszugführer Hans Klüners.

1994 verstarb unser Ehrenmitglied Emil Pauwelen.

Zum neuen Vorsitzenden wird Christoph de Hoog gewählt. Ein Jahr später wurde nach endlosen Diskussionen die Satzung geändert. Von nun an konnten auch Frauen aktive Mitglieder bei „Gut Schlag“ werden Was früher in vielen Vereinen undenkbar war, ist nun auch bei uns möglich und heute aus unserem Verein nicht mehr wegzudenken. Seit 1999 ist Andreas Sotiriou erster Vorsitzender. Vereinslokal ist zu dieser Zeit die Großmarktkantine an der Oppumer Strasse.

Der Verein geht mit der Zeit und somit auch ins Internet. Gemeinsame Auftritte mit der Uerdinger Bürgerwehr und der Linner Burggarde führen uns im Karneval als „Rheinstadtkonfetti“ bis nach Nijmegen in die Niederlande. Als musikalischer Leiter wird Dieter Kruse jun. zum Antrieb eines neuen, qualitativ hochwertigen Fortschritts. Zusätzlich wird als Ausbilder der Kapellmeister Bernd Fröhlich verpflichtet, mit dessen Hilfe man einen weiteren Sprung auf der „Tonleiter“ machen konnte.

Gut Schlag wird 90. Die Jubiläumsveranstaltung im Saal Gietz in Fischeln war ein sensationeller Erfolg und ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Nach dreitägigem Probenwochenende spielte “Gut Schlag erstmalig ein Konzert nach Noten, mit sechsstimmigen Flötensatz und sitzend. Dieser Abend zeigte einmal mehr, das man sich auf dem richtigen Weg befindet. Für seine herausragenden Verdienste als Tambourmajor wurde unter grossem Beifall Manfred Linsen zum Ehrenspielmannszugführer ernannt. Auch der Rundfunk übertrug Ausschnitte und Interviews.

2004 verstarb unser Ehrenmitglied Hans Scheuß.

Die bis dahin mustergültige musikalische Arbeit zog weitere Spielleute an. Neue Herausforderungen mussten her. Mit den Ausbildern Hermann Lorscheid und Peter Mork nahm „Gut Schlag“ erstmalig nach fast 20 Jahren wieder an einem Wettstreit teil und konnte in Altenhundem ( Sauerland ) einige unerwartete erste Plätze feiern. Zwei Jahre später konnte man in Freienohl ( Sauerland ) den Erfolg wiederholen.

2006 bezog der Verein am Nauenweg eigene Proberäume. Seitdem ist man unabhängig von Öffnungszeiten der lokalen Wirtschaft und kann proben so oft man will und ausgiebig feiern.

2010, wenige Tage vor dem letzten Schützenfest des Jahres, traten aus bis heute nicht nachvollziehbaren Motiven fast die Hälfte der aktiven Spielleute aus. Die übrig gebliebenen Spielleute waren sich einig: Der Verein darf nicht sterben, wir feiern in zwei Jahren großen Geburtstag!

Nun wurde alles daran gesetzt ehemalige aktive und befreundete Spielkameraden zu aktivieren. Ihre unermüdliche Loyalität zum Verein war ihr Antrieb, uns in der schwierigen Zeit mit Tat und Kraft beizustehen. Durch ihre Mithilfe wuchs der Verein bei zahlreichen Auftritten auf bis dahin noch nie dagewesene Mannstärken, so dass es sogar schwierig wurde überhaupt noch alle Leute einzukleiden.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei unseren Ehrenmitgliedern und ehemaligen Spielleuten, sowie bei den Vereinen: GERMANIA Willich, Spielfreunde Uerdingen, Tambourkorps Büderich, Blasorchester TV Jahn Bockum und BSW 78 Krefeld für ihre Unterstützung.

Mit grossem Zusammenhalt wurden viele Höhen und Tiefen gemeistert und so kann das Trommler- und Fanfarencorps „Gut Schlag“ auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken, die nicht zuletzt dem unermüdlichen Engagement vieler, auch hier nicht genannter, Spielleute zu verdanken ist.